Pause. BMW Z3, Chucks. Hipstamatic.

Die magische 8

Von November 2016 bis Mai 2018 war ich als Digitalnomade mit meinem BMW Z3 in Spanien und Portugal unterwegs. Ursprünglich wollte ich nur an einem bekannten Hotspot für digitale Nomaden überwintern, doch dann kam alles anders und am Ende hatte ich eine 8 auf die Landkarte gefahren.

Auf der Suche nach dem Ziel

3.000 Kilometer Autofahrt lagen vor mir. Da ich die Übernachtungsmöglichkeit in Tarifa erst drei Tage vorher gebucht hatte, war mir keine Zeit geblieben, die Fahrt zu planen oder mir auch nur Gedanken darüber zu machen, was es eigentlich bedeutet, mit dem Auto durch fremde Länder zu reisen. Bis auf meine Zugfahrt nach Plymouth in England, wo ich ein Jahr als Au-pair verbrachte, war nie zuvor gereist. Ich wusste nichts von Autobahngebühren oder den jeweils landestypischen Verkehrsregeln und hatte keine Übernachtungen auf der Route geplant. Ich hatte mir die Route auf Google Maps angesehen und eine gute Woche Zeit eingeplant. Unterwegs wollte ich spontan entscheiden können, wo ich lang fahre und dann sehen, was sich so ergibt. Für Notfälle hatte ich ein Zelt dabei und dachte, es wird sich schon ein Plätzchen finden lassen, wo ich schlafen kann.

Die ganze Reise wurde zu einem Überraschungspaket. Ich bin an französischen Tankautomaten verzweifelt und habe ein paarmal im Sitzen in meinem Auto geschlafen. Ich habe die Google Maps-Tante verflucht und bin durchs spanische Nirgendwo geirrt. Letztlich bin ich wohlbehalten in Tarifa angekommen, doch stellte sich schnell heraus, dass mein Ziel erst der eigentliche Anfang meiner Reise sein würde.

Tarifa Adé!

Weil ich in meiner Unterkunft in Tarifa fast verrückt geworden wäre, musste ich mir eine neue Übernachtungsmöglichkeit suchen, in der ich auch meinen Arbeitsplatz einrichten und produktiv werden konnte. Südspanien wird aber von vielen Nordeuropäern zum Überwintern genutzt, deshalb waren die im Internet angebotenen Unterkünfte für mich nicht erschwinglich. Auch die Suche in Tarifa war nicht erfolgreich, also erweiterte ich meine mögliche Reichweite mehr und mehr und landete schließlich auf der Website eines Campingplatzes in Portugal. Der Inhaber war Niederländer, sprach hervorragend gut Deutsch und lud mich ein, für schmales Geld einen der Wohnwagen zu nutzen, die er auf seinem Platz vermietete. Die Entfernung zu Tarifa war eine Tagesreise mit dem Auto. Das konnte ich mir noch leisten und so reiste ich nach Castelo de Vide in Portugal.

Die ausgesprochen freundlichen Betreiber des Campingplatzes machten mich mit einer Freundin bekannt, die ein Zimmer zu vermieten hatte. Und so kam es, dass ich ein halbes Jahr lang bei einer sympathischen Holländerin in einem Haus in den Bergen wohnte. Das war eine fantastische Zeit! Ich hatte ein knuffiges Zimmer mit Internetanschluss und Ausblick, ich wurde von Hündin Lea, Katze Mimi und auch von der Gastgeberin ins Herz geschlossen und lernte die atemberaubende Natur in der Umgebung schätzen. Fast täglich durchstreifte ich mit Lea die Gegend, holte mir blutige Kratzer an stacheligen Büschen und rauen Felsen, traf Wildschweine, geländegängige Kühe und jede Menge Eidechsen. Die Zeit dort, war eine der schönsten meines Lebens.

Von Castelo de Vide zog es mich nach Porto. Ich hatte auf Instagram eine Amerikanerin kennen gelernt, die mit ihrem Mann nach Porto ausgewandert war und mich einlud, diese wunderschöne Stadt zu erkunden. Eigentlich hatte ich vor, nach Lissabon zu gehen, aber Porto kannte ich noch nicht und so entschloss ich mich, erstmal die Metropole im Norden zu bereisen. Lissabon musste warten. Dann kam es, wie es kommen musste: ich verliebte mich in die Stadt der Brücken am Douro und wollte gerne bleiben, doch waren meine finanziellen Mittel arg begrenzt. Eine Woche lang suchte ich nach einer billigen Bleibe, doch jede angebotene Behausung war für einen dauerhaften Aufenthalt entweder zu gruselig oder zu teuer. Meine Verzweiflung wuchs von Tag zu Tag. Ich sah mich schon in meinem kleinen Zelt unter einer Brücke wohnen, denn ich hatte auch nicht mehr das nötige Geld für die Heimfahrt.

Yes, Capt’n

Die Lösung meiner Probleme kam erneut in Form eines Niederländischen Staatsbürgers daher. Bei einem Treffen der Expats-Organisation InterNations lernte ich einen großartigen Menschen kennen, dessen Haus für insgesamt fast ein Jahr meine neue Station werden sollte. Der Mann ist von Beruf Kapitän und suchte jemanden, der jeweils für einige Monate auf sein Haus in den Bergen Nord-Portugals aufpasst, während er auf Frachtschiffen die Weltmeere bereist. In der folgenden Zeit lebte ich vier Monate lang alleine, gründete mit streunenden Katzen eine Gang, durchlebte eine irre Waldbrand-Saison und lernte das Leben und mich selbst von einer neuen Seite zu betrachten.

Im Herbst kam der Kapitän zurück und ich flog nach Deutschland (mein erster Flug überhaupt). Puschen und meine anderen Habseligkeiten blieben in der Obhut des Fliegenden Holländers, während ich bei meinen wundervollen Freunden in Langenhagen wohnte. Im Februar flog ich wieder nach Portugal, um nochmal für eine Saison das Haus des Käpt’ns zu hüten. Im Gegensatz zu den staubtrockenen, glühend heißen Sommermonaten mit Brandgeruch, plagte mich dann jedoch feuchte Kälte in einem kaum beheizbaren Haus. Fast drei Monate lang regnete es quasi ununterbrochen. Bei einer Raumtemperatur von höchstens 12 Grad (immerhin im Plus) am Tag, fühlte ich mich permanent unterkühlt. Meine Finger waren steif vor Kälte und meine (Arbeits-)Moral im Keller. Mit jedem Tag wurde ich unzufriedener und die liebestollen Kater, die meine adoptierten Katzendamen heiraten wollten, brachten mich obendrein um meinen Schlaf. Kurz vor meiner Abreise im Mai, kam aber doch noch die Sonne raus; es wurde angenehm warm und die Katzen legten mir ihre süßen Babys vor die Füße. Ende gut, alles gut. Immerhin.

Mitte Mai 2018 machte ich mich dann in meinem Puschen auf die Rückreise nach Deutschland. Es ging von Cabeceiras de Basto über Santander, an der Bucht von Biskaya, über Toulouse und die Camargue nach Turin, dann quer durch die Schweiz an den Bodensee und schließlich über München in den äußersten Osten Deutschlands. Von Görlitz führte mein Weg wieder nach Langenhagen zurück, wo ich Ende 2016 gestartet war. Von der Abreise am 6. November 2016, bis zur Ankunft am 28. Mai 2018, legten Puschen und ich rund 17.200 km zurück. Für einen Zeitraum von 19 Monaten und einen Abstecher an die Südspitze des Europäischen Festlandes, ist das gar nicht so viel.

Die magische Acht

Meine gesamte Route malte eine „magische“ 8 auf die Landkarte. Magisch deshalb, weil die liegende 8 das Zeichen für unendlich ist und ich den Eindruck habe, dass meine Reise eine schöne Metapher auf die immer wiederkehrenden Aspekte des Lebens war: Aufbruch und Suche nach Glück, Gewinn und Verlust, geläuterte Rückkehr zum Ursprung, Neuanfang.

Bildmontage aus Kartenmaterial von ©Google Maps 2020

Auf der magischen 8 habe jede Menge Fotos mit dem iPhone geschossen und werde sie unter verschiedenen Tags posten. Eine kleine Auswahl findet Ihr weiter unten. Auch das, was ich auf der Reise gelernt habe, werde ich in kleinen Beiträgen verfassen.

Ein paar Bilder von meiner Reise in den Süden

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