Kernfraktur - Hipstamaticfoto einer Ähre mit Spinnenweben und Tautropfen

Die Königin der Seidenfäden – eine wahre Geschichte

Viele alte Geschichten wurden sorgsam in blumige Worte und fantasievolle Schilderungen verpackt, um sich nicht mit den Herrschaften anzulegen, die man kritisieren wollte. Ich wollte die dramatischen Erlebnisse meiner jungen Protagonistin möglichst genau beschreiben, ohne die Königin der Seidenfäden zu beschämen oder diskreditieren. So entstand diese Geschichte. In blumigen Worten und fantasievollen Schilderungen.

Das Königreich des Erfolgs

Es war einmal eine wunderschöne, intelligente und von allen bewunderte Königin. Sie residierte auf einem beeindruckenden Schloss, befehligte zahlreiche Diener und Hofangestellte und wachte über die Geschicke ihrer Familie.

Alle Menschen, die sie kannten, bewunderten ihre schier unerschöpfliche Tatkraft. Das Anwesen war stets sorgsam gepflegt, der Haushalt wurde vorbildlich geführt, der Garten war ein Paradies. Der König, die Prinzessinnen und die Prinzen wurden mit den köstlichsten Speisen verwöhnt und in die besten Gewänder gehüllt. Was die Königin auch anfasste, wurde unter ihren Händen zu Gold. Selbst für ihren magischen Garten nahm sie sich Zeit, pflegte Blumen, Kräuter und Bäume eigenhändig mit Liebe und großem Sachverstand. 

Das Herzstück ihres Reiches jedoch, waren ihre wundervollen Pferde. Die Trinker der Lüfte. Nachkommen der fünf Stuten Mohammeds. Die Pferde strotzen vor Kraft, Anmut und Stolz. Ihre Bewegungen waren Tänze und ihr Atem Poesie. Regelmäßig wurden der Königin von Gesandten aus der ganzen Welt große Schätze im Tausch gegen die Nachkommen dieser Rösser geboten. Niemand konnte sich an ihnen satt sehen. Jeder wollte sie besitzen. So wurde die Königin mit dem Verkauf der Fohlen und dem heiligen Saft der Hengste nach und nach immer wohlhabender und einflussreicher. Der Königsfamilie ging es außerordentlich gut, es wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fleißig gewirtschaftet, gefeiert, gelacht und geliebt. Man lebte in Harmonie und Frieden, reiste durch die Lande um die wundervollen Pferde zu präsentieren und erfreute sich an der Verwirklichung des Lebenstraumes. 

Doch eines Tages begab es sich, dass ein äußerst unbeliebter Reisender vor dem Hoftor auftauchte: der Misserfolg – in Begleitung seiner geneigten Diener Neid und Hochmut. Mit einem diebischen Grinsen auf der hässlichen Visage verlangte er Einlass ins Königreich, begab sich ohne zu fragen in den Speisesaal der Hausherrin, fläzte sich in ihren Stuhl am Kopf der Tafel und ließ für sich und seine Diener auftischen. 

Ein Spinnennetz im winterlichen Kleid des Morgens (als Kunstdruck käuflich). © Thekla Leinemann

Der gierige Dämon des Misserfolgs

Gierig verschlang der Misserfolg nacheinander je einen großen Teller Nächstenliebe, Fürsorge und Vertrauen, schüttete sich mehrere Becher kostbare Hingabe in den Balg und vertilgte anschließend noch drei Portionen Vergebung. Seine Diener griffen mit ihren schmutzigen Fingern nach den Schüsseln voller Selbstachtung und den Platten mit Gelassenheit. 

Das Gelage dauerte Monate und Jahre, unablässig wurde Nachschub verlangt und vertilgt, bis nichts mehr da war. Schließlich machte es sich die widerliche Bande im Schlafgemach des Königspaares breit und schlief ein. Ihr grauenhaftes Schnarchen schallte durch die Räume, durch den Garten und über die Wiesen und Wälder des königlichen Anwesens, bis in die entferntesten Dörfer. Bald wusste das ganze Königreich Bescheid und die Bewohner begannen sich über die seltsamen Vorkommnisse im Königshaus zu unterhalten. Gar alptraumhaftes wusste man zu erzählen. Über Streitereien um Gold und Geschmeide, betrügerische Geschäfte, Geheimniskrämerei, bodenlose Verschwendung und Raffgier. 

Die Ereignisse hinterließen tiefe Spuren an den Beteiligten Parteien. Immer kleinlicher wurden die Streitereien, immer härter die Anschuldigungen. Der Zwist unter den Mitgliedern der Königsfamilie weitete sich auf die Bediensteten aus und lockte schließlich windige Geschäftemacher aus weit und fern. Jeder wollte an der Verbreitung der Neuigkeiten aus dem Hause der Königin verdienen. Abertausende Schriftrollen wurden unter das gemeine Volk gebracht, bewegte Bilder aufgezeichnet und von bösen Zungen die Wahrheit neu erfunden. Schließlich brach das Königreich entzwei.

Die Königin litt entsetzliche Qualen, weil ihr das Reich unter den Fingern zerfiel. Sie tauschte einige ihrer geliebten Pferde gegen Zahlungsmittel, um Anwälte mit der Verteidigung ihrer Güter beauftragen zu können. Sie trug zahllose Duelle mit ehemaligen Bediensteten und Mitgliedern ihrer eigenen Familie aus, beschrieb tausende Blätter aus Pergament um ihre Wahrheit zu berichten und kämpfte wie eine Löwin um ihr Lebenswerk. Doch das Ganze setzte ihrer Gesundheit fürchterlich zu.
Tag für Tag, Monat um Monat alterte die Königin mit zunehmender Geschwindigkeit. Ihre einstige Schönheit begann zu verblassen und ihre Stärke verwandelte sich in Starrköpfigkeit. Und je verbissener sie ihre Standpunkte verteidigte, desto mehr entglitt ihr die Macht über ihr Königreich. 

Ein alter Weggefährte der Königin traf eines Tages auf ihrem Anwesen ein, weil er von den Nöten seiner Freundin gehört hatte. Er hatte Haus und Hof den Geldeintreibern eines anderen mächtigen Reiches überlassen müssen und die Flucht ergriffen. Somit war er frei von allen Verbindlichkeiten, konnte bleiben und der Königin helfen.
Munter und voller Energie nahm der die Arbeit auf dem Anwesen auf und rettete so das Ganze vor dem weiteren Verfall. Dadurch schöpfte auch die Königin wieder Kraft. Gemeinsam mit ihrem alten Weggefährten arbeitete sie Tag und Nacht im Geschäftszimmer, im Stall und im Garten und stellte auch neue Bedienstete ein. Doch die Trauer über den Verlust ihrer Familie und den einstigen Glanz ihres Lebenswerkes verschlechterten den Gesundheitszustand der Königin weiter und weiter. Eines Tages kam sie zu dem Ergebnis, dass mehr neue Schaffenskraft nötig sei und ließ alle Länder nach geeigneten Fachkräften absuchen. 

Die ersten Bewerber, welche ihr vorgeführt wurden, entsprachen nicht ihren Vorstellungen. Die Gestalten waren ihr zu abgerissen, zu unflätig oder zu bequem. Weitere Bewerber mussten gesichtet und geprüft werden, jedoch schien es, als seien die Ansprüche der Königin zu universell, um eine passende Person zu finden. Man würde die Tätigkeit auf viele Schultern verteilen müssen, dachte sich die Königin, doch plötzlich geschah die Wende: eine junge, kräftige und voller Elan steckende Frau tauchte wie aus dem Nichts mit ihrem Wagen auf, erklärte sich spontan bereit mit der Königin und ihrem Weggefährten an einem Strang zu ziehen und schlug ein bescheidenes Lager im Schloss auf. 

Die Rettung naht

Diese junge Frau im Knabengewand war scheinbar die Rettung. Sie kannte sich in den verschiedensten Gewerken und Geschäften aus, war gescheit und fleißig. Gleich packte sie ihre Werkzeuge aus und machte sich an die Arbeit. Sie verfasste Schriften für die Königin, half die Gemächer zu reinigen und wurde in die Geschäfte des Hofes eingeweiht. Sie ging der Königin zu Hand, wo es nötig war und erledigte alle Aufgaben mit Bravour. Sie schien ein gutes Herz zu haben, war immer freundlich und aufmerksam und hatte für alles und jeden ein offenes Ohr.
Die Herrscherin und ihr Weggefährte trauten ihren Augen und Ohren kaum. Überwältigt von dem Engagement der jungen Frau, boten sie ihr sogar voller Freude die Teilhaberschaft an dem Königreich an. 

Alles schien perfekt. Man hatte eine zuverlässige Mitstreiterin gefunden und glaubte wieder an die Zukunft. Man würde nun die bösen Dämonen, welche das Königreich über Jahre hinweg gepeinigt hatten, davonjagen können und es allen Neidern und Kritikern zeigen. Allerdings hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Die Dämonen des Bösen dachten nicht im entferntesten daran, ihre Hoheit über das Königreich und alle Menschen darin aufzugeben und riefen die geballte Macht der Dunkelheit zusammen. Zu tausenden fielen die finsteren Wesenheiten über die Königin her, schüttelten sie durch, bis ihr fast die Knochen brachen, überhäuften sie mit Erinnerungen an schlimme Zeiten, plagten ihren Körper mit immer neuen Schmerzen und ihren Geist mit Zweifeln, Misstrauen und Ängsten.
Statt die junge Frau weiter in die Geschäfte des Hofbetriebes einzuweisen, überflutete man sie fortan mit Klagen über schlechte Dienstleistungen der Hofangestellten und Betrugsvorwürfen gegen Vasallen des Königreiches. Man ließ sie wieder und wieder die Teppiche klopfen und das Silber polieren, schickte sie von hier nach dort und hatte keine Zeit, sich ihrer Weiterbildung zu widmen. Die Junge Frau büßte ihren Enthusiasmus mit jedem Tag mehr ein und die Königin verlor die Kontrolle über ihr Reich erneut. Sie verschanzte sich hinter ihren Leiden, wurde zunehmend konfus und erging sich in ausschweifenden Schilderungen von seelischen Verletzungen und Krankheitssymptomen der vergangenen Jahre. Es war, als hätte das Böse die Königin vollends in seine Gewalt gebracht. Ihr einst goldenes Herz verlor seinen Glanz, ihr Körper verfiel. Innerhalb weniger Tage leisteten die beiden Vasallen des Teufels – Krankheit und Angst – ganze Arbeit. Liebe, Vertrauen und Hoffnung lösten sich in Rauch auf. Statt die wichtigen Dinge in Angriff zu nehmen, blieb man in kleinlichen Kämpfen des Alltags hängen. Alles war der Königin eine Last. Sie konnte nicht schlafen, nicht ruhen und fast nichts mehr wertschätzen. 

Hipstamatic-Photo von der Burg Hohentwiel © Thekla Leinemann

Blick in den Abgrund

Innerhalb kurzer Zeit wurde es der jungen Frau zu viel. Die tragische Geschichte des Königreiches legte sich wie eine Schlinge um ihren Hals und nahm ihr die Luft zum Atmen. Hatte sie zu Anfang nur den einstigen Glanz des Reiches unter der Staubschicht gesehen, so wurde sie sich nach und nach der schier zahllosen Baustellen gewahr. Liebte sie zu Anfang noch die Willensstärke der Königin, so verzweifelte sie inzwischen an deren strengen Regeln und Sprunghaftigkeit. Sie wollte der Königin alles Recht machen und fürchtete zu scheitern. Angst machte sich auch in ihr breit, Nervosität und Unsicherheit nagten an ihrer Schaffenskraft. Hinzu kam, dass die junge Frau sich in dem Schloss nicht wohl fühlen konnte. Ungeziefer, Schmutz, Unordnung und eine krankhafte Sammelleidenschaft der Königin machten ihr schwer zu schaffen. Ganz zu schweigen von der hygienischen Herausforderung durch einen närrischen Diener, mit dem sich die junge Frau den Waschzuber teilen musste. Die Schattenseiten des Königreiches wirkten von Tag zu Tag furchterregender – die Nächte waren schlaflos und erschöpfend. 

Schließlich kam der Tag an dem die junge Frau so sehr von Verzweiflung gepackt wurde, dass auch sie die Flucht ergreifen wollte. Doch hatte sie wirklich alles versucht? War die Liebe zu den wundervollen Pferden, der Königin und deren treuem Weggefährten nicht eigentlich die ganze Mühe wert? Hatte sie nicht längst versprochen, treu und fleißig dem Königreich zu neuem Glanz und Ruhme zu verhelfen? Wäre es ihr wirklich nicht möglich, ein paar Monate lang auf Besserung der Umstände zu warten? Würde sie sich vielleicht an den Krabbelzoo in ihrem Schlafgemach gewöhnen? Würde die Herrscherin wieder zu sich finden und gelassener werden?
Eine Audienz bei der Königin am nächsten Tag sollte Klarheit schaffen. Die junge Frau würde ihre Sorgen und Nöte untertänigst vorbringen, den Herrschaften eine Lösung kredenzen und fortan glücklich und zufrieden ihren Dienst leisten. Doch es kam anders. 

Am Tag der erhofften Audienz brachen wieder neue Überraschungen, Probleme und Aufgaben über die Königin herein. Ihre Nerven waren zum zerreißen gespannt. Statt Verständnis für die Nöte der jungen Frau, hatte die Herrin nur Worte der Kritik, des Zweifels und des Zorns parat. Ein Missverständnis jagte das andere und schließlich schickte die Königin die junge Frau wieder zum Teppiche klopfen. In dem Augenblick brach etwas in der jungen Frau entzwei.
In großer Eile packte sie ihre Habseligkeiten zusammen und fuhr den Fluchtwagen vor. Doch als sie sich höflich von der Königin verabschieden wollte, offenbarte diese endgültig ihre hässliche Seite. Sie bezichtigte die junge Frau der Rücksichtslosigkeit und überzog sie mit Vorwürfen. Sie sprach von angeblichen Fehlern und rühmte sich selbst der Großzügigkeit gegenüber den zahlreichen Unzulänglichkeiten der jungen Frau. Die Angesprochene konnte kaum an sich halten, erkannte aber die Aussichtslosigkeit darin, sich mit den Dämonen der Königin auf ein Wortgefecht einzulassen. Sie hielt es für besser, schnellstmöglich den Rückzug anzutreten und ihren Wagen zu bepacken. 

Hipstamatic-Photo einer Ähre mit Tautropfen © Thekla Leinemann

Die Flucht der Heldin

Allerdings waren im Schloss weite Wege zurück zu legen und das ihr überlassene Schlafgemach musste auch noch wieder hergerichtet werden. So zog sich die Fluchtvorbereitung hin und die Königin nutzte jede Gelegenheit, die junge Frau mit Worten zu bespucken. Enttäuschung, Wut und Herrschsucht brachen mit voller Kraft aus ihr hervor. Wie ein Dämon wuselte sie umher und versuchte abwechselnd mit strafenden Worten und allerhand Lockmitteln wieder Macht über die junge Frau zu erlangen. Diese ließ sich jedoch nicht mehr überwältigen. Bis auf wenige schwache Augenblicke, in denen sie der Königin ihre eigene Verzweiflung entgegen schrie, nahm sie sich mit aller Kraft zusammen. Sie kannte die schlimmsten aller bösen Dämonen persönlich und wusste, dass man ihnen nur durch Nichtbeachtung entkommt. Als die Königin mit ihrem Spiel keinen Erfolg hatte, begab sie sich zu den anderen Bediensteten im Schloss und versuchte dort Verbündete zu finden. Mit herzzerreißenden Leidensbekundungen zog sie das Mitgefühl der Diener auf sich und ließ so ihre Wunden versorgen. Sollte die junge Frau doch gehen! Man hatte sich ja schließlich gewaltig in ihr getäuscht. Und so schloss sich der Teufelskreis aus Hoffnung und Enttäuschung wieder, der das Königreich umgab. 
Man ließ die junge Frau ziehen, als wäre sie eine Gefallene. Ohne Worte des Abschieds drehte man ihr den Rücken zu und widmete sich wieder dem Tagesgeschäft – und seinen Klagen. 

Hipstamatic-Photo des Duve-Brunnens in Hannover © Thekla Leinemann

Selbsterkenntnis einer Heldin

Die junge Frau lebt nun vorübergehend im Exil, genießt ihr gepflegtes und beständiges Umfeld und verarbeitet die Erlebnisse auf dem Schloss. Sie weiß längst, dass jede Erfahrung im Leben wichtige Erkenntnisse nach sich zieht, doch in der Begegnung mit der Königin durfte sie eine ganz besonders heikle Botschaft entdecken: die der wahrhaftigen Selbsterkenntnis.
So wurde aus dem kurzen Ausflug in die dunkelsten Ecken der Macht ein sehr helles Licht für den weiteren Weg. Denn alles, was sich ihr Leben lang immer wieder leise und laut bemerkbar gemacht hatte, war in dieser schicksalhaften Begegnung endgültig klar geworden: die Kleinlichkeit, die Selbstzweifel, das Verurteilen und Kritisieren, das Misstrauen, die Sturheit, die Manipulation und das sich Verirren auf unwichtigen Nebenschauplätzen. All das lag auch in ihr, der jungen Frau, die selbst so vom Leben gebeutelt worden war. Nun erkannte sie den Teufelskreis, der ihren eigenen Lebensweg bestimmt hatte und ihr inneres Licht verdunkelte. Und so konnte sie Dankbarkeit erfahren. Dankbarkeit gegenüber der Königin und ihrem treuen Weggefährten, weil sie ihr, ohne es zu ahnen, die Chance gegeben hatten, sich selbst zu erkennen. Und somit offenbarten sie ihr auch den Glanz, der unter allem verborgen ist: die wahre Kraft der Liebe und die schöpferische Energie, die aus der Spannung zwischen zwei Polen erwächst. Denn das Gute liegt im Bösen verborgen und umgekehrt. Es ist ein Irrtum der Menschheit, dass man das Eine ohne das Andere finden kann. Darin liegt die größte Enttäuschung. 

Doch Hilfe steht immer bereit: es ist die Bejahung dessen, was man schlechtes an anderen erkennt, denn damit bejaht man die Schatten in einem selbst. Und aus dieser Akzeptanz kann bedingungslose Liebe erwachen. Selbstliebe. Nächstenliebe. 


Also haltet die Augen auf. Seht ganz genau hin, wenn Ihr Unangenehmes in den Menschen um Euch herum entdeckt. Denn Ihr entdeckt Euch selbst. Legt den Finger in Eure Wunde und hört nicht auf, bis Ihr sagen könnt, dass Ihr Eure Schattenseiten anerkannt habt. Ein Mensch, der zu seiner Unvollkommenheit steht, kann auch anderen zugestehen, Fehler zu machen. Wer noch glaubt, er hat seine Dämonen alle im Griff oder ist ganz einfach fehlerlos, wird Andere weiter kritisieren. Damit katapultiert er sich geradewegs in die Hände jener machtvollen Kräfte, die den Zwist unter den Menschen forcieren. 

Und noch etwas hat die junge Frau erkannt: Selbstwertschätzung sollte man sich bedingungslos entgegen bringen. Zu glauben, dass man erst wertvoll ist, wenn man von anderen Menschen  Anerkennung erfährt, ist ein Fass ohne Boden. Denn jeder Dienst nährt das Gefühl, noch mehr leisten zu müssen und führt in die Knechtschaft. 

So streut diese wertvolle Botschaft, auf dass Ihr erwachet

Liebe Menschen, seid lieber unabhängig von Anerkennung und kümmert Euch um das eigene Wohlergehen. Damit könnt Ihr der Welt genug Gutes tun. Jemanden zu helfen ist nicht falsch – es dient nur nicht dazu, die eigenen Defizite wett zu machen. Um Selbsterkenntnis und Selbstliebe kommt niemand herum. Sie bilden die pulsierende Essenz, die sich im Innern des ständig rotierenden Kerns den Ihr „Mein Leben“ nennt, befindet. 

Und die Moral von der Geschicht’: versuch zu retten die Königin nicht. Vor Allem dann nicht, wenn sie in einem Schloss mit kilometerlangen Spinnweben lebt. Denn in diesen seidenen Fäden haben sich möglicherweise zahlreiche bösartige Wesen verfangen, die auf frische Beute warten…